Uranische Astrologie

Uranische Astrologie

nach dem System von

Ruth Brummund

Uranische Astrologie

 

Astrologen benutzen zur Deutung die unterschiedlichsten Systeme, Konstrukte von Häusern, Deutungen der Planetenstellungen in den Tierkreiszeichen, bei Grenzfällen über zwei benachbarte Tierkreiszeichen mit unterschiedlichen Orben usw. Der Hamburger Vermessungstechniker, Alfred Witte, erkannte, dass hier eine Schwäche liegt: Für die Interpretation eines Horoskops muss der Astrologe schon ein enorm gutes Gedächtnis haben, will er die vielen verschiedenen Möglichkeiten nicht nur nacheinander aufzählen, sondern sie im Kopf schon kombinieren. Die Revolution in der Astrologie war Wittes Technik, mit dem Horoskop anders umzugehen. Wie kam es hierzu?

 

Während des ersten Weltkriegs verfolgte Witte bei seinen Kameraden oft die Planetenstellungen an den Einsatztagen und war unzufrieden, wenn seine Prognose nicht gestimmt hatte. Soldaten mit gefährlichen Konstellationen kehrten nach einer Schlacht gesund zurück, während viele, die einen guten Ausgang zu erwarten hatten, verwundet wurden oder gar fielen. Diese Erlebnisse machten ihn sehr nachdenklich. Später forschte er an den Horoskopen mit den Fehlprognosen weiter und stellte dabei fest, dass bei bestimmten Jahrgängen und ähnlichen Positionen auch ein ähnliches Ereignis stattgefunden hatte. Er zeichnete Fallkurven, errechnete anhand dieser Listen die Bewegungen dieser, wie er damals meinte, noch unentdeckten Planeten. Dies war sicherlich seine herausragendste Leistung.

 

Als 1930 Pluto entdeckt wurde, arbeitete Witte schon seit fast 10 Jahre erfolgreich mit den von ihm gefundenen Transneptunern. Seine reformatorischen Ideen sorgten in der astrologischen Szene der 1920er Jahre für viel Wirbel: Eine "Uranische Astrologie" machte von sich reden, denn sie beruhte auf der traditionellen Grundlage und führte neue Techniken und Elemente ein. Dazu gehörte die Betrachtung der Symmetrien von Planeten, deren Effekte er als "Halbsummen" in die Deutung einbezog. Zu deren Auffindung entwickelte er die drehbare Scheibe. Später sollte es sein Schüler Ludwig Rudolph sein, der eine weitere, bahnbrechende Erfindung machten sollte, nämlich die Einführung der 90°-Scheibe in die Betrachtung des Horoskops. Ludwig Rudolph ist es weiterhin zu verdanken, dass die Witte-Astrologie von dem unnötigen Ballast der sensitiven Punkte (rechnerische Punkte im Horoskop) bereinigte wurde.